Procalcitonin-Spiegelmessungen führen zur keiner Verringerung der Antibiotika-Verordnung bei Patienten mit Infektionen des unteren Respirationstraktes

Procalcitonin-Spiegelmessungen führen zur keiner Verringerung der Antibiotika-Verordnung bei Patienten mit Infektionen des unteren Respirationstraktes

Einleitung: Die Überbehandlung von Infektionen des unteren Respirationstraktes mit Antibiotika verursacht eine Verschlechterung der Resistenzsituation und erhöht unnötige Gesundheitsausgaben. Der Procalcitonin-Spiegel steigt bei bakteriellen Infektionen höher an als bei viralen. Die Spiegelbestimmung verbunden mit Therapieleitlinien konnte in europäischen Studien die Antibiotikaverschreibungsrate reduzieren. Die Methoden waren jedoch sehr restriktiv für die Ärzte, die Umsetzung in der klinischen Routine unklar.

Methode: Diese Multizenter-Studie prüfte, ob durch die Verwendung einer Procalcitonin-Spiegelbestimmung verbunden mit einer Therapieempfehlung für die Verwendung von Antibiotika ab einen Wert von 0,25 µg/L die Verordnung von Antibiotika reduziert werden könnte ohne die  Erhöhung von Nebenwirkungen. In 14 Spitälern in den USA wurden Patienten über dem 18 Lebensjahr mit einer Arbeitsdiagnose einer Infektion des unteren Respirationstraktes aufgenommen und randomisiert vor Beginn einer eventuellen Antibiotikatherapie gemäß dem klinischen Eindruckes des behandelnden Arztes (Kontrollgruppe) oder nach zusätzlicher Information des behandelnden Arztes über den aktuellen Procalcitoninspiegels mit einer Therapieempfehlung (Interventionsgruppe) zugeordnet. Die Anzahl an Behandlungstage mit Antibiotika wurde gemessen und Patienten 30 Tage nachverfolgt.

Resultate: Von November 2014 bis Mai 2017 konnten 1430 Patienten untersucht werden. Davon hatten 19.9% eine Pneumonie, 24,2% eine akute Bronchitis, 31.9% eine Exazerbation einer chronischen Atemwegserkrankung und 39,3% eine Exazerbation eines Asthmas (mehr als eine Diagnose möglich). Keine signifikanten Unterschiede wurden in den beiden Gruppen bezüglich der Anzahl an Behandlungstagen mit Antibiotika gefunden.

Diskussion: Die Autoren sehen keinen Vorteil der zusätzlichen Verwendung eines Procalcitoninspiegels zur Beurteilung der Indikation einer Antibiotikabehandlung bei klinischer Diagnose eines Infektes der unteren Atemwege. Die Studienergebnisse stehen in Widerspruch zu bisherigen Daten aus Studien bei Patienten mit Atemwegsinfekten. In einer Cochrane Metaanalyse von Schuetz P et al. konnte durch die Procalcitonin-gesteuerte Antibiotikatherapie bei Patienten mit Atemwegserkrankungen die Mortalität, die Nebenwirkungsrate und der Antibiotikaverbrauch gesenkt werden. Dieser Widerspruch wird mit Unterschieden des Therapiesettings, Studiendesign (restriktive Methodenvorschriften versus der vorliegenden Studie im Rahmen der klinischen Routine) und unterschiedlichen Patientenkollektiven erklärt. Die Kliniker in der vorliegenden Studie hatten in der Kontrollgruppe eine vergleichsbare niedrigere Verordnungsrate von Antibiotika als in den bisher publizierten Studien.

Literatur:

Huang D.T., Yealy D.M., Filbin M.R.et al. Procalcitonin-Guided Use of Antibiotics for Lower Respiratory Tract Infection. N Engl J Med 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1802670

Schuetz P, Wirz Y, Sager R, et al. Procalcitonin to initiate or discontinue antibiotics in acute respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2017;10:CD007498.

Rezensent: Prim. Dr.Peter Dovjak, Leiter der Akutgeriatrie, Salzkammergutklinikum Gmunden

Prim. Dr. Peter Dovjak

Entschuldigung, Kommentare zu diesem Artikel sind nicht möglich.